– Wie sieht deine Hautfarbe aus?
„Dunkel, nicht schwarz. Wie in Nordafrika. Die Haare lockig, nicht kraus. Die Augen blau. Die Gesichtsform wie bei den Berbern. Unsere Haare sind dunkel. Hochgewachsen, keine negroiden Typen. Die Wangenknochen sind hoch, die Nase schmal, der Mund ist auch bei mir ganz weiblich, weich. Volle Lippen.“
– Hast du einen Bart, oder würde da was wachsen?
„Nein. Die Männer haben keine Haare im Gesicht. Ich glaub auch nicht rasiert.“
– Du bist doch ein Mann. Hast du überhaupt einen Penis? Und wenn du nun daran denkst, verspürst du da irgendwelche Bedürfnisse nach einer Frau oder was anderem, was machst du mit diesen Bedürfnissen?
„Ja, ich hab einen Penis.
Aber wir sind ganz anders high. Irgendwie scheint mir, hat dies in Bezug auf Lust keine große Bedeutung hat. Dieses Sich-Öffnen bei unseren Versammlungen ist schöner, wichtiger, die Gefühle, die ich dann hab. Ich jedenfalls mach glaub ich mit meinem Penis nichts mit Frauen, aber ich weiß nicht, ob andere das machen.“

– Sind es vielleicht andere Teile des Körpers, die jetzt verstärkt solche Lustwahrnehmungsfunktion haben?
„Ja das ist der ganze Körper, so, wie es toll war als Kind die Bäume zu spüren, oder bei den Versammlungen sich zu öffnen und den Wind zu spüren.“

– Gibt es noch etwas in dieser Szenerie, was du rauskriegen möchtest? Was dich interessiert?
„Ja, ich möchte wissen, ob ich einen Vater hab. Ich sehe ihn nicht, habe aber grad die Vorstellung, dass er nur einmal in dieses Dorf gekommen ist, – genauso wie ich da vorbeiziehe und Musik mache und die dann kommen und mir was geben – so ist der einmal reingeholt worden. Und dann ist er wieder weggegangen, oder weggeschickt worden. Jedenfalls ist er nicht da.“
– Wieso ist er denn reingeholt worden?
„Weil er den Frauen gefallen hat.“
– Nicht nur deiner Mutter?
„Sie durfte den ja nicht einfach so reinholen, die andern mussten ja schon damit einverstanden sein.“
– Hat nur sie mit ihm geschlafen, oder haben sich mehr Frauen dafür interessiert?
„Ich glaube, sie hat ihn gekriegt, weil sie schon lange keinen mehr gehabt hatte.“
– Hat er sich weiter für dich interessiert, als du geboren warst?
„Damit hatte er gar nicht zu tun. Er weiß ja von meiner Existenz gar nichts.“
– Sah er aus wie du?
„Ich hab ihn ja nie gesehen.“

– Gibt es irgendwelche kulturellen Produkte, z.B. Verzierungen oder Bilder, die ihr macht, oder ist das nicht nötig? Siehst du an dir Schmuck, Ringe, Gürtel?
„Nein. Bilder in den Häusern sind nicht nötig. Draußen ist alles so schön, wir brauchen diese Häuser nicht so wie ein Heim gestalten. Wir drücken nichts aus mit Gegenständen. Wir nehmen auf, wir öffnen uns. Wir kommen gar nicht auf die Idee, irgendwas auszudrücken.“
– Aber ihr macht Musik.
„Ja, aber nichts in Formen.“
– Ob die Frauen das tun?
„Weiß ich nicht. Ich merk nur, wenn du nach den Frauen fragst, dass mich das gar nicht interessiert, ich will mit denen auch gar nichts zu tun haben.“

Im Gespräch danach erzählte Silvia, dass sie in einer Regression in frühere Leben dieselben Menschen, allerdings in einer anderen, nordafrikanischen Landschaft, gesehen hatte. Sie fragt sich, ob sie sich diese aussucht, weil die nun mal so schön sind. Und auch das Wandermönch-Leben entspricht ihren heutigen Wünschen. Auch bei den Fragen nach Männerhaus – Frauenhaus zweifelt sie, ob sie das nicht entsprechend ihrem Geschmack und meinen Erwartungen gesehen hat.

Das Gefühl des Sich-Öffnens wie sie es für jene Leute beschrieb, ist ihr auch heute bekannt und sie praktiziert es in Gruppen in der Meditation oder spontan bei Naturempfindungen. Vieles von dem in der Zukunft, ist auch heute ein Teil von ihr.

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