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Wohnungen

Unterschiedlichen Wohnformen ihnen scheint gemeinsam, dass sie unter Erde oder Stein liegen und damit gegen Strahlung schützen.

„Ineinander verschachtelte Kuppelbauten“ (24), „Häuser ohne Ecken“ (46), „Iglus“ (28 und 84), „weiß, wie in einer orientalischen Stadt“ (44), „halb in der Erde“ (51). „Höhle oder altes Steinhaus“ (31). „Die Steinhütte ist mit Erde bedeckt und grün bewachsen“ (77). „Ein Haus aus ziemlich groben Steinen gebaut; roten, runden Steinen. Ein bisschen erdig sieht es aus. (auf dem Dach) liegen Erde und Gras… das ist eher eine Erdhöhle, das ist gar kein Haus!“ (Felix).

„Sie leben in einer Höhle“ (Anne M.), „in einer Höhle an einem unterirdischen See“ (Hella), „in einem Kral V ein rundes Loch im Felsen“ (Gabi). „Höhle, Berg. Alleine dort“ (56); „Menschen gucken aus einer Grotte raus“ (68). „Lehmige Höhlen, wie gesehen zwischen Madrid und Baskenland“(12).
„Sehe mich in einer Erdhöhle, wo’s mir warm und gemütlich ist“(10) „In einem Erdloch mit lauter weißen Bändern umwickelt“ (17). „Eingegraben in der Erde“(28).
„Sehe ein paar Frauen, die tief in der Erde sind, weiß nicht, wie die dahin gekommen sind. Da leben die ganz friedlich mit einem Schaf.“ (74)

Es fällt auf, dass all diese Menschen sich in der Natur aufhalten, niemand wird in einem Keller oder Bunker angetroffen, was doch eigentlich die nahe liegende Vorstellung für Großstädter wäre. Auffallend ist auch, dass es nicht ausreichend scheint, in einem Steinhaus zu wohnen, sondern dass deren Dächer zusätzlich mit Erde bedeckt sind. Dieser sich wiederholende Hinweis kann kein Zufall sein; es muss einen triftigen Grund für eine solche Konstruktion geben.

Mich erinnert es an eine Liste der „Schutzfaktorbereiche für verschiedene Bauwerke“ in dem Buch von Fritz Vahrenholt und Egmont Koch „Im Ernstfall hilflos – Katastrophenschutz bei Atom- und Chemieunfällen“ (Köln 1980 , s.104). Aus dieser Liste geht hervor, dass Keller in kleinen Häusern gegen radioaktive Strahlen einen Schutz vom Faktor 2 – 50 bieten, Keller mehrstöckiger Gebäude einen Schutzfaktor von 50-250, Räume unterhalb der Erdoberfläche mit einer Erdüberdeckung von nur 90 cm aber geben einen Schutzfaktor von 1000 und darüber! Eine einfache Erdschicht hat in diesem Fall dieselbe Wirkung wie Betonwände. Eine solche Erdschicht ist das Gemeinsame dieser Höhlen und Steinhäuser!

Aber sie haben keine luftdichten Türen und Filteranlagen; radioaktiver Staub von Atombomben oder Reaktorexplosionen könnte ungehindert eindringen und würde einen solchen Strahlenschutz hinfällig werden lassen. Den einzigen Schutz, den solche Gebäude bieten, ist der gegen verstärkte kosmische Strahlung. Ursache für das vermehrte Eindringen kann der Zusammenbruch der Magnetosphäre um die Erde und die Zerstörung der Ozonschicht sein (vergl. Kap. „Strahlung“). Sind die Schutzschichten um die Erde v- Magnetfeld und Ozonschicht – defekt, dringen UV-Strahlen in einer solchen Menge zur Erde durch, dass es ratsam ist, normale Häuser zu verlassen und sich unter die Erde zu begeben.

Es dauert einige Zeit, ein Steinhaus zu bauen oder eine Höhle zu finden. Solche Anstrengungen unternimmt man nur, wenn sich dies als langfristige Notwendigkeit herausstellt, man selbst gesund und kräftig ist und sich dabei nicht unverhältnismäßig gefährdet. Alle drei Voraussetzungen zeigen, dass es sich bei dieser eigentümlichen Wohnform nicht um den Versuch handeln kann, sich gegen Fall-Out von Atombombenexplosionen schützen zu wollen, vielmehr berichten die Versuchspersonen immer wieder von „gefährlichen Strahlen“ vom Himmel und der Sonne.

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Pueblo der Navajo in Taos, New Mexico Foto: C. Perincioli

Andererseits lebten früher eine ganze Reihe Völker „halb in der Erde“, in „lehmigen Höhlen“, in „erdbedeckten Steinhütten“ etc., einige von ihnen heute noch. Meist sind es halbunterirdische Bauten mit einem Dach aus Grasziegeln, die nur im Winter bewohnt werden. So leben, resp. lebten die Samen im arktischen Teil Skandinaviens und der UdSSR, die Itelmen auf Kamtschatka, Korjaken und Jakuten in Ostsibirien, die Keten im Jenisseijbecken, die Chanten und Mansi in den Nordtälern des Ural und am Becken des Ob, die Gilijaken auf Sachalin, die Menschen auf den Aleuten und natürlich die Eskimos. Ihr gemeinsames Problem ist die große Kalte im Winter; sie wohnen alle nördlich der Januar-Durchschschnittstemperatur von -10°C. Die gleiche Wohnweise findet sich auch in Patagonien, südlich der dortigen Isothermenlinie von -10°, auch dort wird zum besseren Schutz Erde an die Wände gehäuft.

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Lehmhäuser der Massai in Kenia Foto: C. Perincioli

Aber auch die Menschen in sehr heißen Gebieten flüchten unter die Erde; z.B. die Berber in der Wüste südlich von Tripolis. Diese Wohnstätten sind 6-8 Meter tief unter der Erde in den Fels gehauen. Andere Volker in den heißen Gegenden Afrikas behelfen sich mit dickwandigen, fensterlosen Lehmhütten und Lehmburgen und mit meterdicken Dächern aus Schilf oder Stroh, um die Hitze abzuhalten. Diese Wohnformen finden sich in Gebieten mit 30°C Juli-Durchschnittstemperatur in Afrika und in den USA, wo in Arizona und New Mexico die Hopi, Zuni und Navajoindianer leben.

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Nachbau eines Navajo Frauen-Hogan in New Mexico Foto: C. Perincioli

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Dachkonstruktion eines Frauen-Hogan in New Mexico Foto: C. Perincioli

Die Navajo benutzen als Winterwohnung den ‚Hogan‘, ein Kegel oder pyramidenförmiges Holzgerüst für den Männer-Hogan, das mit Erde und Steinen bedeckt wird. Der Frauen-Hogan ist kuppelförmig und erfordert eine anspruchsvoller Dachkonstruktion

Hopi und Zuni wohnen in ‚pueblos‘, Siedlungen aus eng aneinander gebauten, fast fensterlosen Lehmhäusern. Sie kennen aber auch einen unterirdischen Raum, die ‚Kiva‘, die heute aber nur religiösen Zwecken dient, als Durchgangsort zwischen den drei Welten, jener der Geister, der Menschen und des Himmels. Die Mythen der Hopi berichten, dass Sotuknang, der Erschaffer der Welt, als er die erste Welt zerstörte um eine neue zu erschaffen, einige Menschen retten wollte. Er sprach zu ihnen:

„Nun werdet ihr in die Ameisenkiva hinabsteigen, wo ihr in Sicherheit sein werdet, wenn ich die Welt zerstöre. Während ihr hier seid, sollt ihr etwas von diesen Ameisen lernen. Sie sind fleißig, sie sammeln im Sommer Nahrung für den Winter. Sie habe es kühl, wenn es warm ist und warm, wenn es kalt ist.“ Dann ließ er vom Himmel Feuer regnen und öffnete die Vulkane. (Frank Waters, „Das Buch der Hopi, Köln, 1983, S.29)

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Historische Kiva in Bonito, New Mexico Foto: C. Rentmeister

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Restaurierte grosse Kiva in Aztec, New Mexico Foto: C. Perincioli

Die Menschen in der „ferneren Zukunft“ aber leben wieder in Häusern: In Silvias Bericht werden diese nicht näher beschrieben, Carsten bezeichnet sie als „einfache Hütten“, Karin aber berichtet: „Sie hatten Häuser aus gehobelten und aus ungehobelten Bäumen. Das Priesterinnenhaus war sowohl-als-auch und größer als die anderen. (…) Das Priesterinnenhaus hatte mehrere Etagen, die mit Treppen verbunden waren, die anderen Hauser hatten einen durchgehenden Raum und schräge Dächer drauf, rechteckige Häuser.“

Die Übereinstimmung darin, dass sich die Menschen in einer ferneren Zeit nach dem Umbruch wieder an die etwas wohnlicheren Bauweisen erinnern und keineswegs fortfahren „unter der Erde zu leben“ zeigt noch einmal, dass es nach der Katastrophe einen ganz bestimmten Grund, oder auch mehrere Gründe für diese Wohnform gab, Gründe, die später wegfielen.

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