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Erster Versuch

Drei Frauen experimentieren mit einem Tonband. Unsere Suche nach Sicherheit erhält irritierende Antworten.

Die Soziologin Anita Heiliger und ich hatten zusammen die Fragen ausgearbeitet, die wir uns in diesem Zustand stellen wollten; sie sprach sie dann auf Tonband zusammen mit der Anleitung zur Tiefenentspannung. Weil wir beide das Experiment gleichzeitig machen wollten, brauchten wir dieses Hilfsmittel Tonband.

Wir legten uns hin, deckten uns zu und Anita startete den Kassettenrekorder. Das Tonband rauschte und knarrte, draußen bellte ein Hund und Autos fuhren vorbei, doch innerhalb kürzester Zeit befand ich mich in einem tief versunkenen Zustand knapp an der Grenze zum Schlaf – ich glaube, in den Pausen zwischen den Anweisungen war ich zeitweise eingeschlafen. Dann hörte ich die Fragen und Bilder erschienen – so deutlich, als säße ich im Kino und sähe einen Film von einer unbekannten Landschaft und von rätselhaften Situationen. Nachdem das Band zu Ende war und wir zu unserem Wachbewusstsein zurückgekehrt und die Augen geöffnet hatten, sprang ich auf, holte ein Stück Papier, bedeutete Anita nicht zu sprechen und notierte alles, was ich eben gesehen hatte.

Auf die erste Frage: „Siehst du in der Zukunft eine große Bedrohung wie eine Naturkatastrophe oder einen Krieg auf uns zukommen? (Später fragte ich weniger suggestiv nach einem „großen Umbruch, der uns alle betrifft“. Doch das beeinflusste die Antworten offensichtlich nicht). Auf diese Frage hin sah ich ein orange glühendes Objekt in geringer Höhe über die Erde fliegen und alles darunter zerstören.

Anita und einige Tage später Theresa, die mit demselben Band experimentierte, erhielten Antworten, die ebenfalls auf eine kosmische Ursache der Katastrophe hinwiesen. Dass gerade wir solche „Antworten“ erhielten, irritierte uns etwas. Alle drei engagierten wir uns damals und auch später in der Friedensbewegung und waren zu keinem Zeitpunkt gewillt, die Verantwortung für das, was sich auf der Erde tut, irgendwelchen außerirdischen Kräften zuzuschieben.

Bei der Frage: „Welche Fähigkeiten sollte ich erlernen, um mich besser schützen zu können?“ folgte die nächste Überraschung. Unter „Fähigkeit“ hatte ich etwas erwartet, wie „Landwirtschaft“, „Tischlern“… – die Antwort aber lautete – und hier sah ich kein Bild, sondern hörte diesen Satz: „Lernen auf einem Bein zu stehen!“ Es war wie eine Verhöhnung meines Sicherheitsbedürfnisses. Dann dämmerte mir die Bedeutung: Bisher hatte ich mir etwas darauf eingebildet, mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen – das würde nun wohl nicht mehr ausreichen! Jetzt ginge es darum, ein besseres inneres Gleichgewicht zu entwickeln, denn nur so kann man auf einem Bein stehen.

Sehr konkret und detailliert wurden die Bilder bei der Frage, wie die Erde nach der Katastrophe aussieht, wie die Pflanzen, Tiere und Menschen. Ich schrieb: „Eine einfarbige, sienabraune, riesige Ebene; ratze putze kahl, kein Baum, kein Grün“. Später sehe ich „dicke Pflanzen mit Blüten an den Blattspitzen. Verschlungen wie Urwald.“

Anita notierte „Pflanzen dicht wuchernd, fest. Eher wie Urwald, aber niedrige Vegetation“. Sie scheint dasselbe Bild gesehen zu haben: „Pflanzen mit Blättern wie Rotkohl“ berichtet Theresa einige Tage später.
Alle drei hatten wir lauter unbekannte Pflanzen gesehen – unbekannte Pflanzen, die aber alle ähnlich waren. War diese Ähnlichkeit ein Zufall?

Und die Menschen ?
Theresa: „Die Frauen haben einen athletischen Körper“. Auch mir fällt bei den Frauen deren muskulöser Körper auf; „ich weiß nicht, ob es Männer oder Frauen sind“ notiere ich erstaunt.

Auch die Kommununikationsformen dieser Menschen sehen wir ähnlich; Theresa: „Sie reden nicht viel, teilen sich mehr durch ihren Körper mit, eine andere Sprache.“ Und ich: „Sie gehen nicht groß miteinander um; ich sehe zwei ruhig Rücken an Rücken zusammen sitzen. Alle sind sehr friedlich, respektvoll, verhalten.“ Auch Anita berichtet von dieser „Ruhe, Gemäßigtheit, Entspanntheit“.

Ist dies der Wunschtraum gestresster Großstadtfrauen? Im Lauf dieser Arbeit wird sich zeigen, dass jedes der hier zitierten Bilder ebenfalls bei vielen anderen Versuchspersonen auftauchen wird. In den Protokollen wird immer wieder die Rede sein von jener wortlosen Kommunikation, von muskulösen Frauen, die sich körperlich nicht von Männern unterscheiden, von einer Atmosphäre von Respekt, Friedlichkeit und Ruhe, ja sogar das Bild der zwei Rücken an Rücken sitzenden Menschen wird noch einmal auftauchen.

Die Ähnlichkeit der Bilder kann herrühren aus einer unbewussten Beeinflussung durch mich als Versuchsleiterin oder dadurch, dass alle Versuchspersonen zufälligerweise dieselben Zukunftsvorstellungen oder Wunschträume hegen. Im Kapitel „Schlussfolgerungen“ gehe ich auf diese Fragen ein.

Gegen eine solche Beeinflussung durch meine Person oder durch die eigenen Wünsche sprach damals schon, dass das, was wir sahen, ganz offensichtlich nicht unseren Wünschen entsprach (abgesehen von den freundlichen Verhältnissen unter den Menschen) und dass wir die Bilder auch nicht verstanden. Deshalb war ich neugierig herauszufinden, ob andere Frauen ebenfalls Ähnliches sehen würden.