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Bilder der Katastrophe

Anne M. | Stefan | Hella | Karin | Christiane | Theresa | Gabriele | Vera


Anne M.

– Siehst du in der Zukunft einen Umbruch, der uns alle betrifft, welche Bilder tauchen dazu auf?

„Da ist aufgebrochene Erde, rot-braune Farben. Auch der Himmel ist rotbraun überzogen. Es ist etwas Rostrotes, was den Himmel und die Erde färbt.“
– Woher kommt dieses Rostrote, kommt das von oben oder von unten?
„Mehr von unten. Es ist ein Rostrot wie es diese Farbe auch im Grand Cañon gibt;
sie leuchtet und der Himmel hat die gleiche Farbe alles ist damit überzogen, so wie blutig, so ein Rostrot. Ich hab noch ein Bild gesehen, wo es noch mehr Grün gibt. Aber das ist grau geworden, ein milchiges Grau, wie ein Belag darüber; eine ganz normale, grüne Landschaft, die grau geworden ist.“

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Tuff aus dem Ausbruch der Vulkane der Eifel vor 13.000 Jahren
Foto: Licensed under the GFDL by the author.

– Als die Landschaft noch grün war, wo hätte das sein können? Ist das ein anderer Erdteil?
„Das ist wie hier.“
– Kannst du dort noch andere Dinge sehen, wie sie hier auch sind, Strassen, Häuser?
„Ja. Da gibt’s auch Strassen, da gibt’s auch Häuser.“
– Kannst du mal nah rangehen und eins beschreiben?
„Jetzt stehe ich vor einem Haus, da gibt es nur noch grauweiße Wände, das Dach scheint zu fehlen. Es sieht aus wie ein verwahrlostes Haus, unbewohnt. Ich sehe keine Menschen.“
– Ist es denn schon lange unbewohnt oder ist da was passiert, dass es gebrannt hat oder so was?
„Ne. Gebrannt hat es nicht.“

– Kannst du auch hinein gehen?
„Da ist alles durcheinander gestürzt, drinnen.“
– Also sind die Möbel noch da?
„Ja, da gibt es Möbel. Aber unter den Trümmern.“
– Kannst du vielleicht doch Menschen entdecken, wenn du versuchst den Menschen zu folgen, die da gewohnt haben?
(lange Pause)
„Es sieht so aus, als ob die ein paar Sachen mitgenommen haben, Möbel haben stehen lassen, so weggelaufen sind. Weil so Kleinigkeiten gibt’s nicht, so Kleinkram wie Handtücher.“
– Es ist also niemand mehr in der Nähe?
„Nein.“

– Steht das Haus allein, oder gibt’s noch mehr drum herum?
„Es steht am Rande, da sind noch mehr Häuser“
– Es ist eine Ortschaft?
„Ja.“
– Jetzt siehst du auch die Strasse, die durch die Ortschaft führt?
„Ja. Da ist eine Strasse und da ist auch Geröll drauf.“
– Geh doch mal bis an den Ortsrand; dort steht immer ein gelbes Schild, wo drauf steht, wie das Dorf selber heißt, oder die Richtung zum nächsten Ort.
„Aalhaus, Aahaus, mit zwei A.“
– Und auf der Rückseite?
„Da ist nichts, grau. Nein dieses gelbe ist ein Hinweisschild nach Aahaus, so ein
gelber Pfeil.“
– Dann musst du jetzt noch Mal an den Ortsrand rausgehen, dorthin wo die Häuser beginnen, dort müsste dann ein viereckiges Schild stehen.
(lange Pause)
– Kannst du einen Pfosten sehen? Vielleicht liegt er auch am Boden, ist umgerissen?
„Mir kommt immer so was in den Sinn, aber sehen kann ich das nicht.
Irgendwas mit „Derndorf“ oder „Dernbach“ – ich sehe nichts richtiges,
weil ich hab immer ein Schild vor mir, was verbeult auf der Erde liegt, ein gelbes Schild.“
– Kannst du dieses umdrehen und auf der Rückseite gucken?
„Porkhausen, Borkhausen oder Born… Bork.. oder so ähnlich.“
– Stehen da auch Kilometerzahlen drauf?
„8 Km“

– Du schwebst jetzt über der Erde und betrachtest sie in derselben Zeit wie vorhin, wirst jetzt nach oben schauen, durch das Rot hindurch sehen, wirst sehen, ob sich etwas außerhalb der Erde verändert hat, was auf die Erde eingewirkt haben könnte. Du wirst ein Bild sehen von der Ursache für dieses Aufbrechen und diese rote Farbe.

„Ich bin jetzt in der Luft. Ich sehe nicht viel, ich spüre mehr. Es sind schon sehr viele Kräfte, die durcheinander wirbeln. Mich rupft es und es zerrt an mir. Ich weiß noch nicht, was es ist, aber da kommt was. „
– Kannst du die Erde sehen? Ist sie weit weg?
„Ja, so wie der Mond etwa. Ich muss mal ein bisschen näher ran.
Ich seh‘ an einer Seite was Schwarzes um die Erde rum, wie eine
Wolke, eine Hülle, dunkel.“
– Du wirst jetzt diese dunkle Wolke untersuchen, sehen, an welcher Stelle der Erde sie ist, oder ob sie drum herum geht.
„Sie ist mehr über England, Europa und nördlich vom Äquator.
Und sie kommt mir vor wie Teer, richtig schwarz.
Sie bleibt stehen, zerfranst so.“

– Kannst du zurück verfolgen wie sie sich gebildet hat?
„Da muss was von draußen dazugekommen sein.
Das ist nicht nur Erdchemie, da muss was vom Weltall dazugekommen sein.“
– Wenn du das nun zurückverfolgst, auf was stößt du dann?
„Das muss irgend ein großer Gesteins… oder eine gasartige Masse, ich glaub, dass das eine große Masse war und die ist irgendwie verbrannt in so unheilvoller Weise mit der Erde. Ich habe mehr das Bild, dass das noch kein fester Körper war, sondern einer, der glühte, sehr viel Gas enthielt.“
– Kannst du ihn glühen sehen?
„Ja, jetzt seh‘ ich ihn glühen.“

– Jetzt verfolge doch mal seinen Weg, wie er durchs Weltall fliegt.
Kannst du sehen, ob er sich und wie weit er sich der Erde nähert?
„Der kommt schon ziemlich nah, aber fällt nicht direkt auf die Erde, warum eigentlich nicht? In der Berührung gibt es eine ganz heftige Schaukelei für die Erde und auch für den Körper und da kommt es zu Bränden, da entsteht auch diese schwarze Wolken der Teer. Das sind Gasreaktionen. Die Lufthülle ist ja auch ein Gas.
Ich hab noch immer das Bild, dass sich der Körper nicht ganz aufgelöst hatte, als ob irgendwas davon weiterfliegt.“

– Ist er gleich groß wie die Erde oder kleiner?
„Ja, er ist etwas kleiner. Mit der Gashülle sind sie ziemlich gleich.“
– Wenn du den Mond siehst, kannst du anhand dieses Abstandes sagen, wie nah sie sich kommen?
„Die Gashüllen berühren sich, die inneren festen Körper nicht und das würde etwa der Abstand sein zwischen Mond und Erde.“
– Siehst du den Mond in dem Bild?
„Nein.“

– Du hast jetzt diese Szene vor dir, wo er kommt.
Guck jetzt noch bevor er da ist, die Erde an, wie dreht sie sich?
„Von links nach rechts.“
– Verfolg nun genau, was die Erde für eine Schaukelbewegung macht.
„Sie dreht sich paar Mal hin und her, als ob sie ausweicht und gleichzeitig auch wieder angezogen wird. Aber das pendelt sich danach anders ein. Im Moment, wo er vorbeikommt, dreht sich die Erde einmal um sich selbst.“
– Von wo nach wo?
„Ich seh den jetzt von links ankommen und hab vor mir Europa.
Dann dreht sie sich von links nach rechts einmal rum.“
– Und wenn er vorbei ist?
„Dann kippt sie noch mal zurück.
Wo er vorbeifliegt, entstehen die Brände. Ich seh‘ ungeheure Explosionen, das ist so dramatisch, mir macht das Angst.“

– Du gehst jetzt wieder zu dem Haus zurück, und wenn du dort bist, wirst du versuchen, von diesem Haus aus in Gedanken den Menschen zu folgen, die von dort weggegangen sind, zu dem Ort, wo sie hingegangen sind, wo sie zu dieser Zeit sind.

„Sie leben in einer Höhle. Da gibt es einen Ausgang und unterirdisch einen Raum, da leben sie. Es ist ein natürliches Erdloch.
Das haben sie wohl gewusst; es sieht nicht extra errichtet aus, sondern gefunden.
In einer gebirgigen Gegend, es gibt auch Laubbäume.“

– Was haben sie an?
„Da ist ein Opa, eine Familie – da gibt es mehrere. Er fällt mir auf, weil er langsamer geht und gebeugt. Die Kleidung ist nicht bunt, eher grau. Für mich ist das alles grau. Er hat Hosen an, eine Strickjacke. An den Füssen, das sieht mehr nach selbstgebastelter Sandale aus. Unter der Strickjacke ein grauer Stoff, wie die Hose. Das muss selbst genäht sein. Der Gesichtsausdruck ist ernst, gelassen, ruhig. Sie laufen immerzu hin und her, ich weiß gar nicht, was die machen.
Der Opa setzt sich zwischendurch immer wieder hin.

Sie tragen was, als ob sie was nach Hause bringen, was Kleines, was Braunes, es könnten Kerne sein. Als ob sie was Gesammeltes ins Haus bringen, Nüsse.
Da gibt es noch eine Frau, ein Mann und ein Kind und noch eine Frau. Die läuft am schnellsten. Die hat auch so was an, sie sehen alle ziemlich ähnlich aus.“
– Hat sie Hosen an?
„Es ist alles ziemlich weit, kann eine Hose sein, aber auch so grau, so einen Nicht-Farbe.“
– Kleider aus einem Laden?
„Nein, hat sie auch selbst gemacht.
Die Haare sind lang, bis auf die Schultern, rotbraun.“
– Wie alt?
„34“
– Kannst du dich mal in sie hinein fühlen, wie sie sich dort fühlt?
Oder kannst du sie fragen?
„Die mag das. Sie fühlt sich nicht unwohl. Sie lacht jetzt, weil ich frag, warum sie sich denn so beeilt. Von den Menschen, von ihr, wie auch vom Opa geht irgendwas aus , so was Bedächtiges. Beim Opa kam es mir noch selbstverständlich vor, aber an der Frau überrascht es mich.“
– Bedächtig wäre aber langsam?
„Nicht bedächtig, das wäre auch verkehrt. Das ist eher so eine innere Festigkeit, so was Unerschütterliches, das hat die Frau und auch der Opa, so als ob sie ihrer Sache ganz sicher sind.“

– Spricht sie mit dir in Worten? z.B. könntest du sie fragen, wo sie herkommen, wo das ist, wo sie gewohnt haben? Kann sie mit dieser Frage etwas anfangen?

„Erst will sie davon nicht sprechen, das lehnt sie ab, Vielleicht gibt es da ein Tabu, dass man darüber nicht spricht.“
– Wie gibt sie dir das zu verstehen? Sagt sie das in einem Satz?
„Ich glaub nicht. Ich spreche mit ihr anders, aber ich bestehe darauf, dass sie mir das sagt, aber das sag ich nicht in Worten. Da schüttelt sie den Kopf und sie kriegt ein Grauen ins Gesicht. Sie will den Namen nicht aussprechen. Das ist, als ob sie dann das Grauen noch mal fühlen muss.“

– Mag sie dir die Gegend nennen, wo sie jetzt lebt?
„Sie hat „Eifel“ gesagt.“
– Hat sie das in einem Wort gesagt, oder war das Gedankenübertragung?
Hat sie den Mund aufgemacht dabei?
„Nein.“
– Ich hätte dich gern gebeten, aus dieser Höhle rauszugucken, dir einen Überblick über die Landschaft zu verschaffen. Ist es dort grün oder grau oder auch rot?
„Das ist so: im Schatten der Berge ist es grün da wachsen Bäume.
Dann gibt es aber andere Seiten und Landschaften, da ist die rote Erde.“
– Also jeder Berg ist zweigeteilt in der Farbe?
„Ja.“
– Würdest du sagen, das ist die Eifel, wie du sie kennst?
„Es erinnert mich an die Eifel, ja. Es kann auch ein anderes Gebirge sein, es sind nicht zu hohe, abgerundete Berge. Bäume sind nicht obendrauf, nur an den Seiten.“

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